Vor ziemlich genau 1050 Jahren startete der „Gang nach Canossa“.
Wir sind keine zwei Monate unterwegs gewesen und auch keine drei Tage, um unser Seelenheil fürchtend, um die Kirche in Leutstetten gezogen.
Heinrich der IV hatte da auch eher sehr eigennützige weltpolitische Gründe, als er sich auf den Weg machte; Vergebung in unserem Sinne war da zweitrangig.
Heinrich der IV hatte da auch eher sehr eigennützige weltpolitische Gründe, als er sich auf den Weg machte; Vergebung in unserem Sinne war da zweitrangig.
Wäre es ihm nur um sein Seelenheil gegangen, hätte er nur mal in das Neue Testament schauen müssen, da steht mehrfach etwas von Vergebung.
Also war es „nur“ ein Bittgang, der wie jedes Jahr am Vatertag mit anschließender Andacht in der Kirche von Leutstetten stattfindet.
Auch wenn es anfangs nach Peinigung durch Wind und Wetter aussah, riss der Himmel noch auf. Wir konnten uns ohne Regenschirme oder Hagelschauer, die das Gesicht geißeln, auf den Weg machen.
Die kleine Gruppe wanderte singend und betend, und ein bisschen Weltlicheres am Rande, fast trockenen Fußes nach Leutstetten.
Zur anschließenden Marienandacht, die Herr Neubarth vorbereitet hatte, gesellten sich auch einige Besucher aus dem Ort, die dort schon auf die Bittgänger warteten.
Die gemeinsame Andacht wurde teils im Gebet, bei Gesang und Querflötenspiel begangen. Es war, auch wenn es ein wenig kitschig klingt, „besinnlich“; „innere Einkehr“ trifft es auch.
Es scheint nicht mehr zeitgemäß, „besinnlich“ oder „Innere Einkehr“ zu sagen, an einem Bittgang teilzunehmen ist aber nicht altbacken.
Wann haben wir uns das letzte Mal besonnen?
Wann vom Alltag abgewandt und auf unser Inneres gelauscht?
Tobias Roth